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DAS PROJEKT

„Marie Juchacz - Auf der Route des Exils“... 

 ...ist ein aktuelles Forschungsprojekt. Der wissenschaftlichen Bearbeitung ging eine Forschungsreise (Tour) voraus, die (im Mai und Juni 2023) durch Deutschland und Frankreich führte. Entlang der Route des Exils von Marie Juchacz (1879-1956), SPD-Reichstagsabgeordnete, Sozialreformerin, Frauenrechtlerin und Gründerin der Arbeiterwohlfahrt (AWO), wurden ihre Stationen der Exilzeit vor Ort näher untersucht. Lydia Struck, Kulturanthropologin und Urgroßnichte von Marie Juchacz, führt das Projekt als private Initiative.

Spenden, die diese private Forschungsinitiative unterstützen, sind in jeder Höhe herzlich willkommen. Vorträge sind nach Absprache buchbar.

 



 



Welchen Fragen im Projekt nachgegangen werden soll:

Einige noch erhaltene Briefe aus den Nachkriegsjahren von Marie Juchacz an Freund*innen geben Hinweise darauf, an welchen Orten Marie Juchacz ab Ende April 1933 Zuflucht fand, als Nationalsozialisten in Deutschland ihr Leben bedrohten. Mit den Informationen aus den Briefen geht es auf Spurensuche "auf der Route des Exils". Eine weitere Grundlage stellt die Biografie des SPD-Reichstagsabgeordneten Emil Kirschmann "Wer draußen steht, sieht manches besser" von Axel Redmer (1987) dar. Darin wird der unermüdliche Kampf Emil Kirschmanns und seiner Weggefährt*innen, zu denen Marie Juchacz zählte,  deutlich, den sie von den Orten des Exils aus gegen den Nationalsozialismus führten. Wie hat die Widerstandsarbeit den Alltag von Marie Juchacz bestimmt? Welche Rolle spielten die Menschen an ihrer Seite und die Orten ihres Exils dabei? Befinden sich vor Ort in Archiven weitere Quellen? Könnten Menschen (in zweiter und dritte Generation) noch Auskünfte zu der „Gruppe Kirschmann“ geben, die zu neuen Erkenntnissen führen? Wurden trotz der akribischen Beseitigung von „belastenden Dokumenten“ noch Objekte oder Dokumente hinterlassen, anhand derer Informationen über die Zeit des Exils abzuleiten wären? Diesen und weiteren Fragen wurden auf der Projektfahrt nachgegangen. Neue Erkenntnisse und Fragen werden öffentlich in einem regelmäßigen Projekt-Blog auch im Anschluss zu verfolgen sein. 


Orte auf der Route des Exils, die im Mai 2023 aufgesucht wurden, sind:

 

Berlin, Köln, Saarbrücken, Forbach, Metz, Mühlhausen/Mulhouse, Belfort, Lyon, Marseille und Sauvagnon (bei Pau). Anschließend ging es noch zu Gedenkfeiern zum 79. Jahrestag des D-Days in die Normandie.

 

Hintergrund Informationen

1933 war das Leben von Marie Juchacz in Deutschland in Gefahr. Freunde hatten ihr geraten Deutschland schnellstmöglich zu verlassen. Sie folgte dem Rat, floh Hals über Kopf aus ihrem Haus in Berlin in Richtung Saarland, das zu dem Zeitpunkt noch der Völkerbundsverwaltung unterlag. In der Hoffnung, bald wieder nach Deutschland zurückzukehren, betrieb sie zunächst ein Café in Saarbrücken, das sich zu einer Anlaufstelle für viele Geflüchtete aus Deutschland entwickelte. Marie Juchacz nutzte ihre Netzwerke, um die Hilfesuchenden weiterzuvermitteln. Die Arbeiterwohlfahrt in Saarbrücken bestand weiter, wohingegen sie sich in Deutschland unter dem Druck der Gleichschaltungsversuche bereits selbst aufgelöst hatte. 1935 fiel das Saarland nach einer Abstimmung Deutschland zu. Marie Juchacz floh erneut, gemeinsam mit einer Widerstandsgruppe, die sich rund um ihren Schwager Emil Kirschmann formte, weiter nach Frankreich. Zunächst nach Forbach, Metz, Mühlhausen/Mulhouse (bis 1939) und dann in den Süden Frankreichs in das Dorf Sauvagnon (bei Pau), wo sie von Bewohner*innen des Dorfes in einem leerstehenden Haus aufgenommen wurden, bis sie ihre Flucht von Marseille aus am 24. März 1941 auf einem Schiff über Martinique in die USA fortsetzen konnten. Erst 1949 kehrte Marie Juchacz nach 16 Jahren des Exils nach Deutschland zurück.

Weggefährt*innen, die in der ersten Phase des Exils 1933-1941 (Saarbrücken und Frankreich) eine Rolle spielten (Liste wird stetig ergänzt):

• Emil Kirschmann

• Käthe Fey (Kirschmann)

• Johanna Kirchner

• Max (Matz) Braun

• Angela Braun-Stratmann

• Max Hofmann

• Elfriede Hofmann

• Margarethe Leuthé

• Emile Erhard


 
 
 
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